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Vakuum

Es braucht nur einen Moment
der Wortlosigkeit und der Stille
Um in das Vakuum der Fremdheit
die Geste eines Berührungswunsches hineinzuwerfen
Rein, bedingungslos und mit Angst behaftet
Stolpert er über seine eigenen Füße

Im Taumel des plötzlich geforderten Einsatzes
Geht er mal wieder seine ersten Schritte
Versucht sich nicht zu erinnern
An Vergangenes
Und zukünftig Erhofftes

    Rein und bedingungslos

        Allein und beziehungslos

Wo einst das Vakuum die Luft zum atmen nahm
Man keinen Ton zu hören vermochte
Und alle Sinne stumpf und zwecklos erschienen
ist nun fremde Nähe

Zwei Herzen schlagen
der Atem beschlägt die kalten Scheiben
Und lässt bereitwillig
schiefe Sonnen und wacklige Blumen
kurzweilige in sich
Mit zaghaften Finger malen

    Und noch ein Haus
    einen Baum
    Sterne
    und eine Wiese
    Und doch…

Stehen wir danach
zweisam einsam
uns gegenüber
Betrachten uns durch ein Vakuum
mit trüben Blick
Denken an Vergangenes
und nie gewollt Erhofftes
Denken an die Wortlosigkeit
und die Stille

Konservieren Momente im Gedächtnis
als Wegzehrung…

    Welcher Funke kann in einem Vakuum ein Feuer entfachen? 

Sylvia Matzke

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Ozeane

Es lagen Ozeane zwischen uns
die mit der weisen Tiefe von Millionen Jahren
geduldig auf den Moment warteten
während unsere Echolote nur das trübe Dunkel
der Wassermassen durchfischte

Stürme gab es einige
doch nie kamen wir ins Trudeln
die Augen fest auf den Horizont gerichtet
den Kompass sicher in der Hand
mit Blick zu den Sternen
erzählten wir ihnen unsere geheimsten Wünsche

Und manchmal fielen sie vom Himmel
konnten die Geheimnisse nicht tragen
die sie gleichzeitig von zwei Menschen
mit Hoffnung anvertraut bekamen

Umso überraschender war die Kollision
erst ein Vorbeifahren mit fernglasigen Augen
– ungläubiges Stutzen,
dann Backbord an Steuerbord
– zielender Augenwinkel

Und vielleicht wären wir beide ertrunken
hätten wir uns nicht aneinander festgehalten
hätten nicht beide das gleiche Seil gegriffen
das sich losgerissen hatte
im Freiheitstaumel seine Richtung vergaß

Im Rausch der Tiefe
sehe ich mich in deinen Augen
und erkenne dich
halte deine Hand und verlasse mich
zweisam auf eins
am weitesten reicht ein Flüstern,
das zwei Menschen auf ihren Lippen tragen

Sylvia Matzke

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Feldeinsamkeit

Ich ruhe still im hohen grünen Gras
Und sende lange meinen Blick nach oben,
Von Grillen rings umschwirrt ohn Unterlaß,
Von Himmelsbläue wundersam umwoben.

Und schöne weiße Wolken ziehn dahin
Durchs tiefe Blau wie schöne stille Träume; –
Mir ist, als ob ich längst gestorben bin
Und ziehe selig mit durch ewge Räume. 

Hermann Allmers

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