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Meine fünfte Jahreszeit

Ab morgen ist sie schon wieder vorbei. Abgelöst wird sie von meinen optimistischen und gleichermaßen ehrgeizigen ToDo-Listen, welche mir meine Tage füllen und mich abends zufrieden in die Horizontale sinken lassen.

Es fängt jedes Jahr so kurz vor Weihnachten an, was nicht gleichzusetzen ist mit dem Weihnachten, welches die Supermärkte kurz nach dem wieder mal nicht eingetretenen Hochsommer als solches deklarieren. Sondern tatsächlich im Dezember und zwar mit der Fahrt zu meinen Eltern. Die mit Liebe und selbstverständlich mit Kreativität zusammengestellten Präsente, welche den Beschenkten wenn nicht eine Träne der Rührung dann doch zumindest ein strahlendes Gesicht hervorlocken sollen, im Kofferraum verstaut. Die vor mindestens sieben Jahren aufgenommen Kassetten, deren bloße Existenz ausschließlich durch dieses Autoradio gerechtfertigt ist, -wie jedes Jahr- leider vergessen. Alles halb so schlimm, denn ich liebe es, während Autofahrten zu quatschen. Über alles, versteht sich. Glücklicherweise dauert die Fahrt auch etwas über fünf Stunden. Unglücklicherweise -also für mich- sitze ich aber neben jemandem, für den Autofahren und reden in der Summe kein Abenteuer bzw. ähnlich orgastisches Erlebnis bedeutet. Also einem Mann, der es liebt in seiner "nothing-box" (Mark Gungor: "Tale of Two Brains") zu sein. Selbstverständlich geht die erste Hälfte der Strecke für den Versuch drauf, ihn vom Gegenteil zu überzeugen und die zweite, mich wieder gutgelaunt zu machen. Was für mich by the way in diesem Fall ein Einfaches war, denn es ist ja meine persönliche fünfte Jahreszeit. Die Zeit, in der ich positiv emotional unterwegs bin. Gerührt von der Freude meine Familie in die Arme zu schließen, mit ihnen ein kleines bißchen Zeit zu verbringen. Geschenk werde ausgetauscht. Ich erhalte die erhoffte Rührungsträne in Form eines Sturzbaches, was mich veranlaßt hat, beim nächsten Mal diesen Wunsch möglicherweise nicht ganz so intensiv zu verankern oder mir ein gezieltes Objekt dieser Begierde auszuerkoren. Der Magen wird schichtweise mit Essen und Flüssigkeit gefüllt. Die Stimmung ist ausgelassen und fühlt sich echt an. Und eh man es sich versieht, ist es an der Zeit, zum nächsten Weihnachtsfeierort aufzubrechen, welcher, ohne Zeitmaschine sieben Stunden entfernt liegt.

Gleiche Fahrgemeinschaft, gleiches Auto, nur zehn Kilo schwerer. Das Auto exklusive der Insassen. Es scheint also genug Zeit für die Beauftragte des Wichtelbüros zu sein, letzte Weihnachtsvorbereitungen zu treffen. Da ja -wie allseits bekannt- Wichteln eine großartige Sache ist, werden wir dies auch tun. Jippie!, dachte ich noch vor einem Monat, aber nicht mehr eine halbe Stunde vor Ankunft. Denn es galt, sich über das Prozedere der Wichtelgeschenkverteilung noch den Kopf zu zerbrechen. Natürlich fallen einem tausend Würfelspiele ein, wenn unbestimmte Adressaten als Empfänger gehandelt werden. Aber das wäre zu einfach. Man wächst an Herausforderungen und die Ergebnisse manchmal auch am Zeitdruck. Und diese konnten sich sehen lassen. Ich will nicht untertreiben, aber was das Nord-Süd-Autofahrer-Team in diesen zwanzig Minuten auf die Beine gestellt hat, ist eigentlich kaum in Worte zu fassen. Standing Ovations gaben uns Recht. Die Feier, deren Teilnehmer, das Essen, die Menge Alkohol und das ausgelassen Körperteilebewegen … alles war richtig und gut. Am nächsten Tag relativiert der ein oder andere meistens den Alkoholanteil, lernt aber trotzdem nichts fürs nächste Mal draus. Warum auch? – War doch schön! Und genau so wollen wir es immer haben.

Damit hat der erste berührende Teil meiner Jahreszeit, der Familienteil, sein Ende gefunden. Verwundert über das Fassungsvermögens des Kofferraumes und der hinteren beiden Sitze wird also bis unters Dach beladen nach Hause gefahren. Selbstverständlich haben wir auch soviel Essen dabei, daß wir einen spontan eintretenden Wintereinbruch auf der Autobahn hätten gut zwei Wochen luxuriös nicht nur über-, sondern auch erleben können. Dieser Gedanke macht sich erst so richtig während der einstündigen Auslade- und Hochschleppaktion breit. Einhergehend mit dem unglaublich warmen Gefühl der Zufriedenheit und des Reichtums. Meint das Bewußtsein, wie gut es einem geht. Faktisch strotze ich vor Gesundheit und Optimismus, weiß nicht nur um meine geliebte Familie, sondern auch um meine wunderbaren Freunde und ihre Familien. Zu sehen, mit wieviel Respekt und Liebe sich Menschen nicht nur begegnen, sondern auch aneinander denken und miteinander umgehen. Und gerade um die Weihnachtszeit bringt mir dieser Gedanke im richtigen Moment ein bißchen Regen in die Augen. Weil es -meiner Meinung nach- genau darum geht. Im Kreis seiner Lieben zu hocken und alles was da im Raum und in der Luft kreucht und fleucht so intensiv wie nur irgend möglich aufzusaugen.

Phase II wird eingeleitet mit der Silvesterfeier. Freunde, Freunde von Freunden und andere liebe Menschen kommen zusammen. Die Freude ist riesengroß, als hätte man sich vor Jahrzehnten das letzte Mal in den Armen gelegen. Für diesen Abend wird gelebt, als gäb’s kein morgen. Diese wildromantische Jahresendzeitstimmung, in der jeder auf sein persönliches Jahr zurückblickt, meist optimistisch und vor allem neugierig das kommende erwartet, findet ihren Höhepunkt in dem von mir heißgeliebten Feuerwerk. Es wird geküßt, geknutscht, angestoßen, umarmt, nur das Allerbeste gewünscht, gejubelt, je nach Beziehungsstand Liebesworte geflüstert und die erste Zigarette des Jahres geraucht. Schau in ihre Gesichter, in ihre Augen, in ihre Herzen und du selbst wirst erstrahlen vor Glückseligkeit. Wie könnte das Jahr schöner anfangen? Ich wüßte es nicht.

Alle guten Dinge sind drei. Demnach kommt der letzte Akt mit meinem Geburtstag. Nein, früher überwog die Undankbarkeit meinerseits ob dieses Zeitpunktes. Aber wie so manch anderes auch hat sich auch meine Einstellung dazu grundlegend geändert. Die einzige Sache, die sich seit meiner Kindheit nicht geändert hat, ist mein ekstatischer Ausspruch fast unmittelbar nach dem Jahreswechsel in der Silvesternacht: "Nur noch einmal schlafen, dann habe ich Geburtstag!". Der geübte Leser bemerkt, daß ich zumindest als Kind natürlich zweimal geschlafen haben muß, sofern ich einigermaßen verantwortungsvolle Eltern hatte (was ich mehr als bestätigen kann). Aber selbstverständlich hat das für mich nicht gezählt, weil nach dem ersten Aufwachen immer noch dasselbe Datum war. Kapiert? Soviel zu meiner Logik, und wie ich mir meine Sachen schön mache. Inzwischen schlafe ich wieder(!) zweimal, weil ich das Ende dieses Festival sonst nicht unbeschadet überstehen würde. Was soll ich sagen? Es war sehr schön, nicht zuletzt dadurch, daß ich das Datum bis auf die Jahreszahl mit einem Freund teile und so auch das Fest. Der Teamgeist aller Teilnehmer wurde angestachelt in Form des ehrgeizigen Abarbeitens des Roten-Korn-Bestandes, des mehr oder weniger subjektiv empfundenen Musikrhythmus‘ und dem Klassikerspiel Flaschendrehen. Der Fortlauf der Zeit wurde also ignoriert und somit dessen Faktizität in Frage gestellt. Untermauert wurde dieses Unterfangen mit gleichbleibender Musiklautstärke. Immerhin sollte diese Einstellung auch nach außen getragen werden. Das Abschlußgetränk -ohne das man unter gar keinen Umständen hätte nach Hause gehen können- wurde in einer nahegelegenen Spelunke … runtergestürzt wäre übertrieben … zumindest bestellt. Nun war es doch auch an dem härtesten aller Kerne an der Zeit einzusehen, daß wohl einige Stunden ins Land gezogen sein müssen oder wahlweise einige Getränke den Kehlraum passiert haben.

Nach all diesen emotionalen Großeinsätzen meiner Gesamtheit an Körperzellen ist es nicht verwunderlich, daß mir die alljährlich intensiv herbeigesehnte fünfte Jahreszeit immer noch ein bißchen nachhängt. Ich bedanke mich von ganze Herzen bei allen Teilnehmern, ohne die ich weniger ge- und berührt gewesen wäre, weniger gelacht, gequatscht, getanzt, aber vermutlich auch weniger getrunken hätte.

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Wart Ihr auch alle artig?

Hallo liebe Freunde des guten Geschmackes aber wahrscheinlich mit Ausnahme des gepanschten Weihnachtsmarktglühweins,

ach, wie schön, endlich ist wieder ein Jahr fast vorbei. Vermutlich teile ich das Gefühl mit einigen, daß nach meinem persönlichen Empfinden ich mich vor nicht allzu langer Zeit um die vorherigen Weihnachtsgeschenke und dementsprechende Vorbereitungen gekümmert habe. Selbstverständlich macht einem das Spaß, weil es einfach schön ist, unter, neben oder auf dem Weihnachtsbaum im Kreise seiner Lieben zu hocken und deren Schluchzen zu hören und deren Rotztränen zu sehen, im besten Fall als positive Reaktion auf dein Geschenk bzw. deine persönliche Anwesenheit. (Da dürften die Voraussetzungen von Fall zu Fall etwas variieren.) Wie gesagt, gehe ich da auf Nummer sicher und nehme mal lieber ein paar verpackte Sachen mit.

Liebe Leute, wappnet Euch für die Zeit der Maßlosigkeit, meint zumindest die Völlerei. Denn auch eine dafür angemessene und fesch geschnittene Gummizughose kann -wenn auch vielleicht aufgrund der Kontrastwirkung- optimal in Szene gesetzt werden. Und das allerwichtigste ist doch sowieso, daß man sich wohl fühlt. So heißt es. Und man weiß ja nicht, wann es wieder mal so etwas Leckeres gibt, für das man nicht selbst tagelang mit schnippeln, fluchen, rühren, wieder fluchen, improvisieren und ganz viel Geduld und Zeitdruck
beschäftigt ist.

In diesem Sinne wünsche ich Euch fantastische Feiertage, die Ruhe nach dem Sturm für entspannte Tage bis zum nächsten großen Event: Eurer individuellen und unschlagbaren Silvesterparty. Startet das neue Jahr gesund, zufrieden ob der zurückliegenden Ereignisse und optimistisch für die kommenden.

Liebe Grüße

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