« »;

Jeder hat (s)eine

Lieblingskneipe.

Die gut gelaunte Bedienung (und es ist egal, welche an den besagten Abenden arbeitet) begrüßt dich mit einem orakelhaften Lächeln, während sie die -selbstverständlich bestehende- Sympathie mit einer kurzen professionellen Berührung in Form ihrer Hand auf deiner Schulter unterstreicht. Binnen der nächsten Minuten steht unaufgefordert das Getränk, dem du bereits seit dem Aufstehen entgegenfieberst, vor deiner Nase. Egal, wie vollgestopft der in grauen Nebel eingehüllte Innenraum ist, dein Bier zapft sich glücklicherweise schneller als in der -von wem auch immer angegebenen- angeblich qualitätserhaltenenden bzw. -bringenden, erforderlichen Zeit von sieben Minuten. Plötzlich überschlagen sich die Ereignisse. Hand zum Glas. Angestoßen. Glas und Gesicht nähern sich. Deine dafür ausgebildete Nase ahnt den darauffolgenden Kontakt von prickelnder Flüssigkeit und Kehle. Und für dich ist klar, jetzt ist Freitagabend. Einfach wunderbar.

Während dieses ersten, nahezu orgastischen Gefühlszustandes hast du selbstverständlich schon ehrgeizig an der Sauerstoffbefreiung mitgewirkt. Du versicherst dich mit einem mehr oder weniger geübten Handgewurschtel in der u.a. geldbörse- und tabakutensiliengefüllten Ausrüstung, daß im Prinzip nix mehr schief gehen kann, weil beide Kriterien betreffend alles vorbereitet ist. Währenddessen sind schon ein bis zwei lebensrelevante Themen abgearbeitet. Abhängig von der Anzahl der Sitzrundenteilnehmer wird anfänglich über ein Thema geredet. Was heißt geredet? Vielmehr nacherlebt, mitgefühlt und mit wahlweise Lachen, Tränen bzw. eigenen Anekdoten begleitet. Im Laufe des Abends -und man hat zu jedem Zeitpunkt das Gefühl, daß dieser eigentlich erst gerade begonnen hat- vermischt sich alles: Gesprächskonstellationen, die Musik mit den Nachbargesprächen, der Inhalt des Aschenbechers mit Getränkekleksen (selbstverständlich wird bei jeder Neubestellung angestoßen) und nicht selten am nächsten Tag die exakten Erinnerungen.

Und weil dieser Abend so voll schöner Momente war, wird er wieder stattfinden. Wahrscheinlich noch vor den gemeinschaftlich geplanten und einstimmig beschlossenen Verabredungen zu diesjährigen Festivalbesuchen, Firmengründungen und generell gesellschaftsverändernden Aktionen. Und selbstverständlich in dieser Kneipe, die genau deswegen zur Lieblingskneipe geworden ist.

Filed under: wie im echten Leben — Schlagwörter: , , , , — Steffi
« »;

Powered by WordPress