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Happy Place

Das schönste im Leben sind die Momente des unbeschreiblichen Glücks. Die Zeit scheint stehen zu bleiben. Man fühlt sich gleichermaßen riesengroß die Welt umarmend und winzig, ameisenklein. Das gesamte Ich fokussiert dieses eine Gefühl. Erlebt diesen Rausch. Phänomenal!

Aber wer will schon für immer in diesem Hochgefühl leben? Das Streben danach scheint mir sowohl Weg als auch Ziel zu sein. Ok, nicht nur, aber auch. Denn wie so oft sind Phantasie und Realität nicht zwangsläufig kongruent. Und das ist ja auch gar nicht so schlimm, sage ich mir, während nicht nur meine Finger abfrieren, weil ich in der Kälte warten muß, ich Müll in den dafür bereitgestellten Container schleppe oder das Sieb in der Dusche von der Ansammlung Haare befreie. Denn eines weiß ich ganz sicher: Sind diese glückseligen Momente fern bzw. einfach woanders, also nicht in meiner Nähe, gibt es andere schönste Dinge im Leben. Z.B. die Vorfreude auf sommerliche Temperaturen, die Hoffnung, daß mal jemand bei mir klingelt und fragt, ob er meinen Müll mitnehmen darf und die Überlegung, meine Haare einfach wieder kurz zu tragen.

Doch gibt es im echten Leben auch einfach Situationen, in denen man sich einerseits nicht in der Lage fühlt, daraus etwas Gutes zu zaubern, weil sie andererseits auch unausweichlich sind. Ich meine solche, an denen die Zeit auch irgendwie stehenzubleiben scheint. Nur -warum auch immer- weigert sich jedes Molekül vehement sich darüber zu freuen und sich stattdessen für Achselschweißproduktion, völlig unrealistische Versagensängste und unendlich präsente Streßanzeichen zu entscheiden. Und genau in diesen Situationen: -für manche sind es die Vorgesetzten-, Urologen- oder Familienbesuche, für andere die subjektiv als anstrengend empfundene Endlosgespräche mit (s)einer Freundin, das monatelange Möbelrücken in der darüberliegenden Wohnung während der Prüfungszeit oder die unanständig lange Wartezeit in einer gastronomischen Örtlichkeit auf das mehr als wohlverdiente Feierabendbier- genau dann wünscht man sich zu seinem persönlichen Happy Place. Der Weg dorthin ist ganz einfach.

Stell dir eine überaus positive Situation aus deiner (unmittelbaren) Vergangenheit vor. Wichtig ist, daß dieses Ereignis nicht an andere Personen gekoppelt ist, da sonst das damit verbundene Gefühl abhängig ist von der Beziehung zu der darin vorkommenden Person. Und darum geht es nicht. Das Ziel ist, dich allein gut zu fühlen. Selbstbewußt. Und voller Energie und Kraft.  Sozusagen unbesiegbar. Wenigstens für den Moment. Fokussiere diese Erinnerung so stark, daß du glaubst, sie fast nachempfinden zu können. Meist hilft es, dabei die Augen zu schließen. Und wenn du das Gefühl hast, genau an dem Ort und in deiner Wahlsituation angekommen zu sein, atme sie ein und öffne die Augen. Und für jede unerträgliche scheinende Situation bist Du ab jetzt gewappnet. Dieser Moment der positiven Erinnerung kann sehr nachhaltig und vielfach wirken, wenn du ihn zuläßt.

Für Musikliebhaber eignet sich natürlich der(!) perfekte Moment während eines Konzertes -wer kennt ihn nicht. Das Open-Air-Konzert als Bestandteil eines Festivalwochenendes. Du bist allein in der Menge von Menschen. Jeder einzelne lebt genau dieses eine Lied. Für sich. Und alle zusammen. Die unbeschreibliche Akkustik, die Lichtershow, die Bewegungen, die auf alle übergreifende Atmosphäre, die sommerliche Luft, der Schweiß auf der Haut, und die Hoffnung, daß das nie zu Ende geht. … Ich fühlte mich einfach unendlich.

Filed under: wie im echten Leben — Schlagwörter: , , , — Steffi
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